Als Konsortialführer verantwortet das Fraunhofer IOSB-AST die wissenschaftliche und technische Gesamtkoordination des Projekts. Die inhaltlichen Schwerpunkte des IOSB-AST umfassen:
Vorgehensmodell zur Erstellung virtueller Infrastrukturabbilder Ein zentraler Forschungsbeitrag des IOSB-AST ist die Entwicklung eines systematischen Vorgehensmodells, mit dem sich reale OT-Infrastrukturen in virtuelle Abbilder überführen lassen. Dabei werden vorhandene Informationsquellen – darunter Beschreibungsdateien (z. B. SCL/SCD-Dateien nach IEC 61850), Netzpläne und Prozessdaten – strukturiert ausgewertet und in ein konsistentes virtuelles Modell transformiert. Ziel ist ein weitgehend automatisierter Aufbauprozess, der den manuellen Modellierungsaufwand erheblich reduziert.
Aufbau der flexiblen Testumgebung Das IOSB-AST konzipiert und implementiert die zentrale Testumgebung, in der die virtuellen Infrastrukturen instanziiert, konfiguriert und betrieben werden. Die Umgebung ist so gestaltet, dass sie:
- flexibel anpassbar ist – verschiedene Infrastrukturtypen und Topologien lassen sich ohne Hardwareänderungen abbilden,
- unterschiedliche Testroutinen unterstützt – von klassischen Funktionstests einzelner Komponenten bis hin zu komplexen Szenarien, und
- Sicherheitsanalysen ermöglicht – einschließlich der Untersuchung von Angriffsszenarien und deren Auswirkungen auf den Stationsbetrieb.
Definition und Umsetzung der Anwendungsfälle Gemeinsam mit den Projektpartnern definiert das IOSB-AST drei zentrale Anwendungsfälle, für die jeweils spezifische virtuelle Infrastrukturen aufgebaut werden:
- Umspannwerke: Virtualisierung komplexer Stationsautomatisierungen mit Schutz-, Steuer- und Überwachungsfunktionen
- Ortsnetzstationen: Abbildung dezentraler Stationen im Verteilnetz mit zunehmender Automatisierung und Sensorik
- Sonderanlagen: Nachbildung spezieller Infrastrukturen mit individuellen Anforderungen an Kommunikation und Funktionalität
Alle drei Anwendungsfälle werden durch eine Netzsimulation gespeist, die realistische Prozessdaten bereitstellt und damit eine authentische Betriebsumgebung innerhalb der virtuellen Infrastruktur erzeugt.
Innerhalb der nachgebildeten Infrastrukturen werden virtualisierte Stationsfunktionen entwickelt und erprobt. Das IOSB-AST untersucht hierbei insbesondere, wie sich Funktionen wie Schutzalgorithmen, Automatisierungslogiken oder Kommunikationsprotokolle in einer rein softwarebasierten Umgebung zuverlässig abbilden und validieren lassen.